Heizen mit Erdwärme

Bei Erdwärme handelt es sich um in der Erdkruste gespeicherte Wärme, die sich der Mensch zu Nutze macht. Die erschöpft nie und zählt deshalb zu den regenerativen Energien. Sie kann direkt zum Heizen genutzt oder zur Stromerzeugung verwendet werden. Der Fachbegriff für Erdwärme ist Geothermie. Sie hat ihren Ursprung in der Restwärme aus der Erdentstehungszeit und in radioaktiven Zerfallsprozessen, die seit millionen von Jahren schon in der Erdkruste anfallen.

An der Oberfläche hat die Sonneneinstrahlung und die Lufttemperatur einen zusätzlichen Einfluss auf die Erdkruste. In Vulkangebieten und den Rändern der Erdkrustenplatten ist die Erdwärme besonders intensiv. Vor allem auf Island werden Erdwärmekraftwerke genutzt. Bei geothermischen Anomalien, die auch in Deutschland vorkommen, sind Wärmereserven in heißen Gesteinsmassen gespeichert, die per Bohrung erschließbar sind. Pumpt man Wasser hinein, kann der anschließend aufsteigende Wasserdampf zur Stromgewinnung genutzt werden.

In Deutschland gibt es derzeit zwei Kraftwerke, eines davon in Neustadt-Glewe, ein anderes in Landau. In diesem Jahr wird mindestens ein weiteres in Unterhaching ans Netz gehen. Wie man sehen kann, steckt die geothermische Stormerzeugung in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Im bayrischen Unterhaching können mit dem Geothermiekraftwerk 10.000 mit Strom versorgt werden. Damit ist es das größte und modernste Kraftwerke dieser Art in Europa. Das sich in Gemeindehand befindene Kraftwerk kann bis zu 3,4 Megawatt Leistung liefern. Praktischerweise gibt es bei der Erdwärmegewinnung keine Schwankungen. Die Erde strahlt an ein und derselben Stelle immer die selbe Hitze aus. 

Mit dem Kalina-Verfahren ist das Unterhachinger Kraftwerk das zweite insgesamt, bei dem dampflokgroße Turbinen von einem Ammoniakgemisch angetrieben werden. Der Vorteil bei dem Ammoniakgemisch liegt darin, dass es schon bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen gasförmig wird. Wasser wird erst ab einer Temperatur von 100° Celsius zu Dampf. Die Kosten in Höhe von rund 80 Millionen Euro haben sich schätzungsweise nach ca. zwei Jahrzehnten amortisiert (ohne einen steigenden Ölpreis zu berücksichtigen). In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Förderung der Erdwärme noch kein Thema. Damals kostete das Fass Öl weniger als 20 Dollar. Mittlerweile liegt er bei über 130 Dollar.

Im Pumpenhäuschen wird aus 3350 m Tiefe 120° Celsius heißes Thermalwasser nach oben gefördert. Über eine zweite Bohrung wird das Wasser wieder zurück geleitet, damit es unten nicht irgendwann erschöft ist. Noch stammt nicht einmal 1% der regenerativen Energien aus Geothermieanlagen. Interessenvertreter der Geothermie schätzen die durch Erdwärme produzierte Leistung im Jahr 2030 auf 3 Gigawatt.

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